Conviction
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»Jeyla! Bericht! Wenn ich bitten darf!«
»Luft!«
»Wie bitte?«
»Glücklicherweise gibt es im Weltraum keine Luft.«
»Kontext bitte!«
»Na
ja,
wenn
es
da
draußen
Luft
geben
würde,
hätte
sie
nicht
mehr
dazwischen
gepasst.
Und
was
das
für
ein
Pfeifen
gewesen
wäre.
Uuuiiihhh.
Ich
sag’s
euch,
ohne
Bunker
mache
ich
keinen
Schritt
mehr
aus
meiner
Koje!«
»Denkst
du
bitte
daran,
dass
du
immer
noch
in
einem Asteroidenfeld steckst!«
»Was?
Ja!
Nein!
Ich
meine,
ja,
natürlich.
Bin
schon
dabei!«
Hastig
strich
sich
Jeyla
mit
der
Hand
durchs
Haar
und
studierte
die
Positionsanzeigen
auf
ihrem
Display.
»Traktorstrahl
auf
Zugwirkung.
Phytarischiff
ankoppeln.
Antrieb
aktivieren.
Zielpunkt
zwischen
dem
Phytarischiff
auf
Gegenkurslinie
und
seinem
backbordseitigen Begleitschiff.«
»Beginne
Manöver.
Zeit
bis
Zielpunkt
8
Minuten
32
Sekunden.«
Jeyla
lehnte
sich
zurück,
atmete
tief
durch
und
überlegte,
mit
welcher
Geschwindigkeit
sie
die
Zentrale
der
SAMOSATA
verlassen
hätte,
wenn
sie
das,
was
sie
eben
erlebt
hatte,
auch
nur
ansatzweise
vorausgeahnt
hätte. Oder besser gesagt, für möglich gehalten hätte.
*
Die
SATA
1
hatte
ihren
Abstand
zum
Phytarischiff
auf
800
Meter
reduziert
und
befand
sich
nun
genau
vor
dessen
Bug.
Der
Traktorstrahl,
der
von
der
Unterseite
des
diskusförmigen
Schiffes
ausging,
schuf
eine
Verbindung,
die
so
stark
und
exakt
war,
als
wären
die
beiden Schiffe physisch verbunden.
Dabei
wirkte
die
SATA
1
mit
ihren
55
Metern
Durchmesser
und
maximal
9
Metern
Höhe,
geradezu
unscheinbar
klein
und
zart.
Dennoch
war
sie
es,
die
das
weitaus
größere
Schiff
vollständig
kontrollierte
und
nun
aus dem Asteroidenfeld hinauszog.
Kontinuierlich
schneller
werdend,
hielt
das
Gespann
auf
einen
Punkt
zu,
der
genau
zwischen
zwei
Phytarischiffen
lag,
die
gerade
eine
ganze
Salve
hochenergetischer
Ladungen
auf
die
SAMOSATA
abfeuerten.
Grelle
Explosionen
zuckten
über
deren
Paratronschirm,
der
davon
aber
völlig
unbeeindruckt
blieb.
Mitten
in
die
nächste
Salve
an
Strahlbahnen
hinein,
begannen
zwei
Phytarischiffe
mit
einer
Rotation
um
die
Längsachse,
bis
ihr
Bug
genau
in
Richtung
der
SATA
1
zeigte.
»Jeyla!«
Arkans
Stimme
erklang,
noch
bevor
das
Phytarischiff seine Drehung vollendet hatte.
»Dir
ist
bewusst,
dass
du
keine
Schutzschirme
aktiviert
hast?«
Ein
Hologramm
Arkans
entstand
mitten
in
Jeylas
Konsole,
so
dass
lediglich
sein
Oberkörper
zu
sehen war.
»Ja.«
»Ein
direkter
Treffer
ihrer
Strahlwaffen
würde
erheblichen Schaden verursachen.«
»Ich weiß.«
»Und
warum?«
Arkans
Blick
vermittelte
unmissverständlich, was er damit meinte.
»Hast du Hunde?«
»Was? Nein. Wie auch.«
»Wenn
Hunde
Frieden
schaffen
wollen,
zeigen
sie
ihre
Bauchseite.
Sie
präsentieren
ihre
verletzlichste
Seite.
Es
ist
eine
ultimative
Aufforderung
zur
Deeskalation.
Besser
gesagt,
die
ultimative
Message,
die
da
heißt,
ich
tue dir nichts.«
»Mag
sein.
Ich
darf
aber
mal
darauf
aufmerksam
machen,
dass
die
Analogie
berücksichtigen
sollte,
dass
es
hier
nicht
um
Hund
gegen
Hund
geht,
sondern
Hund
gegen
Katze.«
Arkans
Augen
kehrten
sich
kurz
nach
innen.
»Oder
irgendwas
anderes,
das
noch
nicht
weiß,
ob es Hunde mögen soll.«
»Zeit, es herauszufinden.«
»Ich könnte es dir befehlen.«
»Ja,
könntest
du.«
Jeyla
legte
den
Kopf
zur
Seite
und
wirkte dabei betont entspannt.
»Ich
könnte
darauf
hinweisen,
dass
die
SATA
jede
Art
von
Angriff
rechtzeitig
genug
erkennen
kann,
um
den Paratronschirm noch rechtzeitig zu aktivieren.«
»So, dass er sofort volle Stärke erreicht?«
»Nein, aber wer weiß, ob es das brauchen würde.«
»Du bist mir etwas zu risikofreudig.«
Jeylas
Lachen
eruptierte
mitten
aus
ihrem
Bauch
heraus.
»Nach
dem
Brocken,
der
mir
gerade
um
die
Ohren
geflogen ist, sind die Phytari die reinsten Partygäste.«
Nun
entglitt
auch
Arkan
ein
stoßartiges
Auflachen,
das
jedoch
derart
kontrolliert
unterdrückt
war,
dass
es
im geschlossenen Mund haften blieb.
»Erreichen Zielkoordinate.«
Sofort
blickte
Jeyla
auf
ein
taktisches
Display,
das
Positionen
und
Kursdaten
anzeigte.
Auch
die
SAMOSATA
war
im
Blickfeld,
inklusive
einem
Gewitter
aus
Explosionen.
Und
während
sich
Jeyla
fragte,
wie
man
das
beenden
konnte,
hörte
es,
mit
einem
letzten
größeren Lichtblitz, auf.
»Entweder
haben
sie
keine
Munition
mehr,
oder
wir
hatten Erfolg.«
»Bitte jetzt keinen Pessimismus.«
»Wenn
man
mit
dem
beginnt,
hat
es
den
Vorteil,
dass
es
ab
da
nur
besser
werden
kann.«
Jeyla
ließ
ihr
linkes
Augen
blinzeln
und
konzentrierte
sich
dann
wieder
auf
das
Display.
Es
zeigte,
wie
die
SATA
1
das
Phytarischiff
in
die
vorgegebene
Position
zog
und
dort
zum
Stillstand
brachte.
Augenblicke
später
erlosch
der
Traktorstrahl.
»Mission
erfolgreich
abgeschlossen.«
Jeyla
fügte
ein
elegantes Nicken hinzu.
»Dann bring die SATA 1 jetzt in den Hangar zurück.«
»Bin schon dabei.«
Arkans
Hologramm
erlosch,
während
Jeyla
eine
Anweisung
ins
Display
tippte.
Doch
mitten
drin
kam
ihr
eine Idee.
*
Betont
langsam
entfernte
sich
die
SATA
1
aus
ihrer
Position
vor
dem
Bug
des
geretteten
Schiffs.
Doch
statt
auf
direktem
Weg,
einen
Hangar
der
SAMOSATA
anzusteuern,
flog
das
diskusförmige
Schiff
einen
leichten
Bogen,
der
es
direkt
vor
jenes
Phytarischiff
brachte,
das
auf
der
Kurslinie
der
SAMOSATA
lag
und
mittlerweile
als
Führungsschiff
galt.
In
gerader
Linie
zwischen
der
SAMOSATA
und
diesem
Schiff
kam
die
SATA 1 zum Stillstand.
Für
einige
Sekunden
blieb
es
dabei.
Dann
begann
das
Schiff
eine
Nickbewegung
in
Richtung
des
Phytarischiffs,
die,
aus
menschlicher
Sicht,
als
Verbeugung
interpretiert
werden
konnte.
Es
war
im
Grunde
das
gleiche
Manöver,
das
auch
die
SAMOSATA
zuvor
schon
durchgeführt
hatte.
Und
Jeyla
achtete
darauf,
dass
die
SATA
1
es
mit
gleichem
Tempo
und
gleichen Winkelgraden ausführte.
Gebannt
beobachtete
sie
dabei
die
Phytarischiffe.
Mittlerweile
waren
es
neun,
die
um
die
SAMOSATA
herum Position bezogen hatten.
Keines
dieser
Schiffe
brachte
noch
eine
Waffe
zum
Einsatz.
Allerdings
zeigten
die
Ortungen,
dass
sich
17
weitere
Schiffe
im
Anflug
befanden.
Und
da
stellte
Jeyla
sich
die
Frage,
ob
die
momentane
Ruhe
vielleicht
eine
trügerische
sein
konnte.
Zumal
die
Phytari
nun
Flugmanöver
durchführten,
die
zu
einer
geschlossenen
Formation führen würden.
In
Jeylas
Bewusstsein
entstand
das
Abbild
einer
Formation
aus
26
Schiffen,
die
einen
frontalen
Punktbeschuss
auf
den
Paratronschirm
der
SAMOSATA
ausführten.
Obwohl
sie
wusste,
dass
auch
das
bei
Weitem
nicht
ausreichen
würde,
behagte
ihr
diese
Vorstellung überhaupt nicht.
Wie
konnte
man
jemanden,
der
sprichwörtlich
die
Waffen
schwang,
davon
überzeugen,
damit
aufzuhören?
Mit
Worten?
Mit
Gesten?
Mit
Ruhe
und
Abwarten?
Oder
damit, dass man mit einer noch größeren Waffe winkte?
Ein
einziger
Schuss,
aus
einem
MVH-Geschütz,
würde
den
Phytari
zeigen,
wie
überlegen
die
Waffentechnik der SAMOSATA war. Aber was dann?
Freundschaft,
aus
Angst,
war
eine
recht
zweifelhafte
Freundschaft.
Und
ganz
gewiss
keine,
die
man
als
echt
und
aufrichtig
bezeichnen
konnte.
Also
blieb
nur
eine
Option.
Und
die
bestand
aus
Ruhe
bewahren
und
Abwarten.
Es
lag
nun
an
den
Phytari,
dass
sie
eigenständig
und
ohne
äußeren
Einfluss
erkannten,
dass
es
noch
andere
Wege
gab,
die
weniger
grell
und
zerstörerisch waren.
Äußerlich
ruhig
und
innerlich
angespannt
beobachtete
Jeyla
die
sechs
Schiffe
der
Phytari,
die
sich
hinter
den
drei
Transitionsschiffen
aufgereiht
hatten.
Und
zwar
so,
dass
die
Formation
ein
gemeinsames
freies
Schussfeld
auf
die
SAMOSATA
und
damit
auch
auf
die
SATA
1
hatte.
Überdies
zeigten
die
Ortungen,
dass
die
Flotte
aus
17
Schiffen
soeben
den
inneren
Rand
des
Asteroidengürtels passierte.
»Noch
bevor
diese
17
Schiffe
ankommen,
bringst
du
die
SATA
in
den
Hangar
zurück.
Ich
möchte
hoffen,
dass ich mich da nicht wiederholen muss.«
»Nein,
musst
du
nicht.
Aber
bedenke,
allzu
schnell
sind die nicht.«
»Vermerkt.«
Seufzend
checkte
Jeyla
die
Positionsdaten
und
justierte
einen
Kurs,
der
die
SATA
1
zurück
in
den
Hangar
bringen
würde.
Dabei
behielt
sie
die
Ortungsdaten
im
Auge,
die
anzeigten,
dass
die
17
Schiffe
im
Begriff
waren
den
äußeren
Rand
des
Asteroidengürtels
zu
überqueren.
Langsam
glitt
ihre
Hand
zu
der
Sensorfläche,
die
den
programmierten
Kurs der SATA 1 starten würde.
Aus
einem,
ihr
selbst,
nicht
erklärbaren
Grund
zögerte
sie,
wohl
wissend,
dass
es
keine
Minute
mehr
dauern würde, bis Arkans Stimme erklingen würde.
Zwei,
drei
Atemzüge
nach
Beginn
des
Zögerns
begannen
sich
Werte
im
Display
der
Ortungsdaten
zu
verändern.
Und
zwar
derart,
dass
Jeylas
Augen
zum
Panoramaschirm wechselten.
Die
gesamte
Formation
der
Phytarischiffe
begann
das
Manöver
der
SATA,
das
einem
Nicken
geglichen
hatte,
in
exakter
Weise,
auszuführen.
Nur
mit
dem
Unterschied,
dass
sich
die
Schiffe
über
ihre
Ausgangsposition
hinweg
bis
zu
einer
senkrechten
Position
hin
aufrichteten.
Und
als
sie
diese
erreichten,
erlosch das Glühen im Bereich der Waffenstationen.
»Arkan?«
»Ich sehe es.«
»Also,
wenn
du
mich
fragst,
wir
haben
soeben
eine
Tür geöffnet.«
»In etwa so hat sich Zhanir ebenfalls geäußert.«
»Tatsächlich?
Hat
er
auch
gesagt,
was
wir
als
Nächstes machen?«
»Bis jetzt noch nicht.«
»Na dann. Dann mach ich mal was.«
»Jeyla?«
Die
Hände
der
Ortungsspezialistin
griffen
zu
den
Sensorflächen der Steuerung.
»Jeyla!«
Wie von selbst entstand in ihrem Kopf ein Muster.
»Könntest du...«
In
rascher
Folge
tippten
ihre
Finger
Kommandosequenzen ein.
»dich ans Protokoll... «
Schwungvoll betätigte ihr Zeigefinger die Startsequenz.
»...halten!«
In
einer
tanzhaften
Eleganz
vollführte
die
SATA
1
eine
Rolle,
nahm
dann
etwas
Schwung
und
pendelte,
ebenso
elegant, in ihre ursprüngliche Position zurück.
»Ich...., Phhffff, ich lasse dich hier!«
Wie
in
Zeitlupe
verzog
ein
dezentes
Grinsen
Jeylas
Lippen.
Und
ebenso
langsam
wurde
es
breiter
und
breiter.
*
In
einem
gemeinsamen
Manöver
löste
sich
die
Formation
der
Phytarischiffe,
die
sich
vor
der
SAMOSATA
platziert
hatten,
auf
und
machten
damit
den
Weg frei, zum Weiterflug nach Phyla.
Ein
Schiff
nahm
das
havarierte
Schiff
in
Schlepp,
mit
Kurs
auf
Phylas
Mond.
5
Schiffe
richteten
ihren
Kurs
auf
den
Planeten
und
beschleunigten.
Während
die
drei
größeren Schiffe damit begannen ein Dreieck zu bilden.
Die
SAMOSATA
wartete,
bis
die
Schiffe
in
diese
Geleitposition
eingeschwenkt
hatten.
Dann
nahm
sie
Fahrt
auf
und
glitt
in
eine
Position
zwischen
den
beiden
hinteren Phytarischiffen.
Als
sie
diese
erreichte,
setzte
sich
der
kleine
Schiffsverband
in
Bewegung.
Und
das
einzige
Schiff,
das
dabei
einen
Salto
schlug,
war
die
SATA
1,
die
sich
vor der SAMOSATA in den Verband eingereiht hatte.
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