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Lesen lässt uns in Gedanken leben….
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»Der Gasriese und Apok befinden sich im äußeren Rand des Markonta Nebel, während Phyla sich derzeit im Lanthan Nebel bewegt und in 62 Tagen in den Markonta Nebel eintreten wird. Der Lanthan Nebel ist weit weniger dicht, aber mit 6,3 Lichtjahren Durchmesser fast dreimal so groß wie Markonta.« Arkan warf einen faszinierten Blick auf den hauchdünn scheinenden Bereich, der die beiden Nebel voneinander abgrenzte. Wohl wissend, dass es diese Trennung in Wahrheit nicht gab, da die Gase des Lanthan Nebels, die in den Markonta hineinreichten, praktisch kaum noch sichtbar waren. »Wir waren seit 150 Jahren nicht mehr hier. Wir wissen nicht, ob es bereits Kontakte zu anderen Spezies gegeben hat. Auch wissen wir nicht, ob die Phytari Kenntnis von der Existenz anderer Zivilisationen in ihrem Umfeld wissen. Das halte ich aber für unwahrscheinlich. Schließlich ist die nächste Welt, mit interstellarem Potential, mehr als tausend Lichtjahre weit entfernt.« »Dann sollten wir mit der Option eines Kulturschocks rechnen.« »Tue ich immer.« »Immer?« Zhanirs Stimme klang skeptisch. »Ja. Selbst bei denen, die ich kenne.« »Ah.« Zhanir kniff jenes Auge zu, das in Richtung Arkan lag. »Vielleicht, weil du dich kennst?« Ein dezentes Lächeln entstand auf seinen Lippen. Zhanir öffnete das Auge wieder, nur um den Eindruck zu haben, dass es in Arkans Augen aufblitzte. Völlig autonom entstand in Zhanirs Kopf das Abbild einer feuernden Transformkanone. * »Jetzt?« »Nein!« Zhanirs Augen fixierten das kugelförmige Objekt, das in wechselnden Grautönen, durch die Gasschleier hindurch, zunehmend an Kontrast gewann. »Jetzt?« »Naahheiiinnn!« Arkan trat näher an den Sitz des Kommandanten heran und begann auf den Fußballen zu wippen. »Wir sind schon ziemlich nahe.« »Sind wir.« »Und warum zögern wir noch?« »Wir zögern nicht.« Arkans wippen hörte auf. »Denn es ist keine Frage, ob zögern oder nicht, sondern vielmehr einer optimalen zeitlichen Kalkulation.« »Für die Wahl zwischen, zu wenig Zeit für Reaktion und zu viel Zeit für schockartige Reflexe?« »Korrekt.« »Und wie kalkuliert man das?« »Jetzt.« »Jetzt? Ich dachte du...« »Ortungsschutz. Jetzt!« »Ah...., dieses Jetzt...« Unbewusst rückte sich Zhanir im Kommandositz zurecht. »SATA. Ortungsschutz deaktivieren.« »Soll ich einen Strukturerschütterungseffekt hinzufügen?« Zhanirs Kopf ruckte in Richtung Arkan. Und dieser nahm sich etwas Zeit, um die Auswirkungen zu überdenken. »Nein.« Und in das Nein hinein richtete Arkan seinen Blick auf Zhanir. »Je mehr sie zum Grübeln haben, desto mehr werden sie auch Grübeln.« »Ortungsschutz vollständig deaktiviert.« Der Schiffscomputer fügte seine Meldung passgenau an Arkans letzte Silbe. »Wir sind nun sichtbar. Damit würde ich jetzt mit einem ersten Kontaktversuch beginnen.« »Deine Entscheidung. Nur bitte nichts an Art und Inhalt ändern.« »Weil wir nicht verraten wollen, dass wir ihre Sprache kennen.« »Ihre Sprache, ihren Planeten, ihre Physiognomie. Kurz gesagt, weit mehr, als ihnen lieb sein dürfte.« »SATA. Wie lange noch, bis wir den Mond erreichen?« »In 23,2 Minuten befinden wir uns über dem Nordpol von Phylas Mond.« »Dann wäre mein Vorschlag, dass wir in 13 Minuten mit der Übermittlung mathematischer Standardcodes beginnen.« Arkans Kopf begann zu nicken. »Das lässt Zeit für einen Kaffee.« * Mit einer dampfenden Tasse Kaffee in der Hand trat Arkan neben die Station des Piloten. »Wir kommen jetzt in die kritische Phase.« Beim ersten Wort hob Shoun Ryles den Kopf und sah Arkan an, ohne den Blick zu fokussieren. Damit behielt er die wichtigsten Anzeigen im Augenwinkel sichtbar. »Anfluggeschwindigkeit reduzieren, keine abrupten Manöver. Egal was passiert.« »Korrekt.« Arkan nahm einen Schluck aus seinem Kaffee. »Und mit Ersterem beginnen wir ziemlich genau, Jetzt. Aber bitte mit reduzierter Triebwerksleistung. Noch muss niemand wissen, was die SAMOSATA wirklich kann.« »Verstanden. Also auffallen, ohne aufzufallen.« »Du sagst es.« Mit weniger als 10 Prozent der Standardleistung begann die SAMOSATA langsamer zu werden. »Aktivitäten der Phytari?« »Ja. Aber bis jetzt noch nicht direkt auf uns beziehbar.« »Wie sieht es beim Mond aus?« »Sechs größere Raumschiffe befinden sich in einem äquatorialen Orbit. Ebenso zwei Raumstationen. Sieben kleinere Raumschiffe befinden sich im Transfer zwischen Phyla und seinem Mond. Allerdings deutlich unterhalb unseres Einflugkorridors. Wir haben, sozusagen, freie Bahn.« »Sind wir aktiv geortet worden?« »Bisher noch....« Abrupt hörte Shoun auf zu sprechen, stattdessen konzentrierte er sich auf die Anzeigen vor ihm. »Ein Taststrahl. Von einer der beiden Raumstationen. Einfach lichtschnell. Breit gefächert. Offener Suchmodus. Ich denke, in spätestens einer Minute werden sie uns gezielt und dauerhaft in ihren Ortungen haben. Und dann auch präzise wissen, wo wir hinwollen.« »Das war zu erwarten. Ändert aber nichts. Und, bitte, egal was die tun, wir machen keine abrupten Manöver.« »Außer Bremsen.« »Exakt.« * Mit, im Vergleich zum Flug durch das Sonnensystem, stark reduzierter Geschwindigkeit flog die SAMOSATA den Mond an. Weit oberhalb und leicht links von ihm, passierte sie dessen Nordpol. Während weit unter ihr ein schwarzes Raumschiff, mit einer Konstruktion die einem etwas gestreckten Diamanten ähnelte, eine Drehung um 180 Grad vollführte und damit seinen Bug in Richtung der SAMOSATA ausrichtete. Und während diese nun geradlinig auf den Planeten zuhielt, begann das schwarze Raumschiff zu beschleunigen. * »Neun Schiffe befinden sich hinter dem Planeten. Zwölf Weitere in dessen näherem Umfeld. Fünfzehn Einheiten befinden sich an verschiedenen Positionen des Sonnensystems. Zwei sind auf dem Weg zum Gasplaneten. Zusammen mit denen beim Mond sind es Einundvierzig Einheiten relevanter Größe. Mindestens fünf zeigen Signaturen eines Transitionstriebwerks.« »Schiffstypen?« »Die Hauptform entspricht den Schiffen, die am Mond auf unseren Kurs eingeschwenkt sind. Zwei Pyramiden, die an der Basisfläche verbunden sind. Dazu zwei kleinere Pyramiden, die an den Spitzen der Größeren angeflanscht sind.« »Angeflanscht?« »Richtig, sie sind separierbar.« Shoun tippte an das Hologramm und das Abbild des Schiffes wurde ersetzt durch ein nahezu identisches, das jedoch einen größeren Mittelteil aufwies. »Hier wurden bestehende Schiffe um eine mittlere Maschinensektion ergänzt. Diese enthält zusätzliche Energieerzeuger und ein ziemlich fieses Transitionstriebwerk.« »Fies?« Arkan zog, ob der Wortwahl, beide Augenbrauen hoch. »Anhand der Daten der bisher gemessenen Strukturerschütterungen und den energetischen Signaturen, die aus diesen Maschinensektionen kommen, sind sowohl unsere Wissenschaftler als auch SATA der Meinung, dass die Struktur des Normalraums energetisch überladen wird, weil zu wenig Energie in den Hyperraum abfließt.« »Das deutet daraufhin, dass das Transitionsfeld potentiell instabil ist.« »Sagen wir, es arbeitet am Limit.« »Und die energetische Überladung des Normalraums...« »Ist für den Lanthan Nebel nicht gerade von Vorteil.« Shoun hob die Schultern und legte den Kopf schief. »Entschuldige, dass ich der Ausformulierung deiner Frage vorausgeeilt bin.« »Egal, spart Zeit.« »Es wäre interessant zu wissen, ob den Phytari die negativen Wirkungen ihres Antriebs bewusst sind.« Gleichzeitig drehten sich Shoun und Arkan zu Zhanir um. »Es würde uns einen Hinweis auf Aspekte ihrer Mentalität geben.« Nun drehten sich die Köpfe von Shoun und Arkan zueinander hin. »Gleichgültigkeit kann eine der Grundlagen für Aggressionsbereitschaft sein.« »Wohl war.« Arkan sog Luft durch die Nase und blickte schräg zur Decke hinauf. »SATA. Eine entsprechende Analyse phytarischer Quellen, bitte.« »Analyse aktiv. Ein zeitlicher Abschluss ist nicht kalkulierbar.« Arkan nickte nur und wandte sich dann wieder an Zhanir. »Ist Gleichgültigkeit nicht assoziert mit Phlegmatismus?« »Auch, ist aber hier nicht relevant. Denn hier stellt sich die Frage, ob jemand, dem die Unversehrtheit seines Lebensumfelds eher nachrangig ist, nicht auch ebenso nachrangig hinsichtlich des Wohlbefindens der Lebensformen sein kann, die ihn vielleicht stören. Oder stören könnten.« »Also Gewaltbereitschaft aufgrund mangelndem empathischen Potentials?« »Ja, absolut.« »Da hat er recht. Denn wäre uns das Leben einer Stechmücke nicht absolut gleichgültig, würden wir sie nicht bedenkenlos platt machen.« Shoun blickte demonstrativ auf seine Handfläche. »Du erschlägst Mücken?« »Geh einmal, nur ein einziges Mal durch den Chumara Canyon meiner Heimat. Da lernst du sehr schnell, wie sinnvoll spezifische Selbstverteidigung sein kann.« »Ich registriere die Aktivierung eines Transitionstriebwerks.« Mitten in SATAs Meldung hinein schwang sich Shoun in seinen Sitz. »Ich tippe auf schräg über uns.« Zhanirs Blick richtete sich erwartungsvoll auf den oberen Bereich des Panoramaschirms. Und Arkans Augen folgten, jedoch eher unwillkürlich. »Aktivierung erreicht Sprungpotential.« »Manöverbereitschaft!« Shoun schenkte Arkan ein bestätigendes Nicken. »SATA. Zielpunkt extrapolieren.« »Vierzig bis fünfzigtausend Kilometer auf Kurslinie.« »Shoun, Geschwindigkeit reduzieren bei Transitionsaustritt.« »Verstanden.« »Sprung detektiert.« Die Stimme des Schiffscomputers klang dabei so ruhig und geschmeidig wie gewohnt. »Eintrittspunkt Distanz 42.000 Kilometer. 1,8 Grad Überhöhung 1,2 Grad Steuerbord.« »Shoun?« »Erreichen relativen Stillstand bei Distanz 4,3 Kilometer.« »Nah dran.« Zhanir spitzte die Lippen für ein tonlos stummes Pfeifen. »Deren Schuld.« Arkan zuckte beiläufig mit den Achseln. »Na ja, strenggenommen sind wir es, die ungefragt in ihr System einfliegen. Schließlich hätten wir auch am Rand des Systems Position beziehen können. Um von dort aus, per Peilsignalen, auf uns aufmerksam zu machen.« »Status Phytari?« »Schiff hält Antriebe auf Stand By. Transitionssystem wird neu aufgeladen.« Direkt nach Shouns Auskunft wandte sich Arkan wieder Zhanir zu. »Ja, das wäre eine Option gewesen. Die uns aber Zeit gekostet hätte. Lebenszeit, um genau zu sein. Und da die nun mal begrenzt ist.« Arkan erlaubte sich eine rhetorische Pause. »Verzeih mir, wenn ich da ein wenig egoistisch erscheine.« »Lebenszeit wird wertmäßig allzuoft unterschätzt. Sie mit Komplikationen anzufüllen ist vielleicht kurzweiliger, aber nicht zwangsläufig besser.« »Du erwartest Komplikationen?« »Salopp gesagt. Sie werfen ein nicht gerade kleines... SATA?« »Länge 726 Meter, größte Breite 341 Meter.« »Danke. ...werfen also ein nicht gerade kleines Schiff mitten in unsere Flugbahn. Ich, zumindest, würde ein solches Manöver als Beginn möglicher Komplikationen werten.« »Dann werden wir uns wohl bemühen müssen, dass diese nicht allzu groß werden.« Nur für einen kurzen Moment wirkte Arkan etwas ungehalten. Etwas, was ihn unbewusst die Schultern anspannen ließ. Und gerade als er es bemerkte und sie bewusst entspannen wollte, meldete sich der Schiffscomputer. »Das Phytarischiff aktiviert einen Traktorstrahl.« Kaum eine Sekunde später ging ein ebenso kurzer wie kaum spürbarer Ruck durch das Schiff. »Position halten.« »Schon geschehen.« Shouns Augen zuckten zu einem Display. »Erforderliche Triebwerksleistung 3 Prozent.« »Analyse.« »Der Traktorstrahl beinhaltet Magnetfeldtechnik und ist auf Abstoßung gepolt. Aktuelle Leistung 123 Tesla ansteigend.« »Die Frage ist, zeigen wir guten Willen und lassen uns schieben oder demonstrieren wir, dass wir unbeeindruckt sind?«
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