Lukana Inzident Seite 1 von 3
Lesen lässt uns in Gedanken leben….
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»Kaffee, arabisch, entwachst, extra schwarz.« »Schwierigkeiten, wach zu bleiben?« Joan Sheppert schloss die Augen, griff blind nach der Tasse Kaffee und drehte sich, mit dem Kopf beginnend, langsam um. »Erwecke ich tatsächlich diesen Eindruck?« Joans Augen schienen beim letzten Wort irgendwie größer zu werden. »Nein. Aber ich frage mich, was für einen Eindruck ich gewinne, wenn diese Stimulanz ihre Wirkung entfaltet.« »Muss er denn besser werden? Ich meine, noch besser?« Ein dezentes Schmunzeln entstand auf Arkan Mandrows Gesicht. »Bevor ich darauf antworte, lasse ich Phil nach dem nächsten Tryortan Schlund suchen.« »Oh, Arkan, ich kann zwar auch Rot werden, aber bei weitem nicht so gefährlich.« »Letzteres bleibt abzuwarten.« Der Kommandant der SAMOSATA legte den Kopf etwas zur Seite. »Wie lange, gedenkst du an Bord zu bleiben?« »Bin doch gerade erst eingestiegen. Erste Missionen sind zwar meist arg von Routine geplagt, aber wer weiß, vielleicht kannst du ja noch nachlegen.« »Routine.« Ein hörbares Einatmen folgte dem Wort. »Ein Planet im Orbit eines Gasriesen, der um einen Roten Riesen kreist. Und dessen Monde, vor einigen hundert Millionen Jahren, als diese Sonne noch ein gelber Zwerg war, Eiswelten waren. Und nun ist auf einem dieser Monde eine Zivilisation entstanden, die damit beginnt am Weltraum zu riechen. Während die ehemals habitablen inneren Welten buchstäblich verbrannt sind. Damit nicht genug, darf man noch bedenken, dass dieser Leben tragende Mond in einer gebundenen Rotation steckt.« »Die brauchen extra Kaffee.« Arkan schaffte es, die eine Augenbraue nach unten zu ziehen, während die andere sich nach oben verzog. »Die Periode beträgt 19 Tage und 14 Stunden. Das heißt 117,5 Stunden hell, 117,5 Stunden Zwielicht, 117,5 Stunden dunkel plus nochmal dito Zwielicht. Und diejenigen, die auf der dem Gasriesen zugewandten Seite leben, haben auch noch extra dunkel.« »Eher weniger. Der Gasriese leuchtet nicht grad wenig.« »Ich meinte ja auch nicht die Dauer, sondern die Qualität. Ich darf da mal an den Schatten des Gasriesen erinnern. Und der ist...« »So schwarz wie dein Kaffee.« »Exakt.« Ein lehrhaft bestätigendes Lächeln huschte über Joans Gesicht. »Wann sind wir eigentlich da?« »So bald, dass es sich lohnt, dass wir uns jetzt in die Zentrale begeben.« * Weit oberhalb und noch außerhalb des Ringsystems des Gasriesen fiel die SAMOSATA aus dem Linearraum. Im gleichen Moment verwandelte sich die obere domförmige Hälfte der Zentrale in eine derart perfekte Panoramasicht, dass man das Gefühl hatte ins Weltall hinausgreifen zu können. »Beeindruckend.« Joan ließ ihren Blick über die blau leuchtenden Ringe des Gasriesen schweifen. »Da kam wohl mal ein Mond mit viel Methaneis unter die Roche- Grenze.« »Du kannst es dir aus der Nähe ansehen. Wir verwenden die SATA 2 für eine erste Erkundung. Die SAMOSATA bleibt vorerst in Deckung des Gasriesen. Da sich LUKANA ziemlich genau auf der anderen Seite der Ringe befindet, hast du das Vergnügen das komplette Ringsystem überfliegen zu dürfen.« Joan blickte kurz auf die Datenanzeige, auf der zu lesen war, dass das Ringsystem einen Durchmesser von 1,2 Millionen Kilometern hatte. »Ich brauche mehr Kaffee.« * Schnurgerade glitt die diskusförmige SATA 2 aus dem Hangar, passierte die gewaltige Strebe, die sich, als eine von vieren, vom externen Ring bogenförmig zum oberen Pol des kugelförmigen Hauptkörpers der SAMOSATA zog. Zusammen mit den vier Streben der unteren Hälfte wirkte es wie eine Art Einfassung, die der zentralen Kugel einen erhabenen Eindruck verlieh. Ein Eindruck, der vor dem Hintergrund des Gasriesen noch eine besondere Note erhielt. Zumindest für Joan, die das Schiff nun zum ersten Mal frei im Weltall schweben sah. Gerade mal 6 Monate alt, war die SAMOSATA ein experimentelles Einzelstück. Und bei allem, was Joan bisher erfahren hatte, war sie ein wahrer Allrounder. Abrupt richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf die SATA 2, die soeben abgestoppt hatte und den Kurs auf einen Mond ausrichtete, der auf der gegenüberliegenden Seite des Ringsystems nur dunkel zu erkennen war. »Bereit?« Fawn Onshar vergewisserte sich, dass Joan, Teyra und Alshar gesichert in ihren Sitzen saßen. »Kann losgehen.« Alshar lächelte aufmunternd, während die anderen beiden es bei einem kurzen Nicken beließen. »Na dann.« Fawn griff in die Sensorfelder, aktivierte den Antrieb und beschleunigte. Und das nicht wenig. Die SATA 2 schoss förmlich davon und erreichte rasch die Ausläufer des Ringsystems. Kurz darauf überquerte sie bereits das Asteroidenfeld, das sich in der größten Teilung des Ringsystems befand. Joans Blick fiel auf den Gasriesen. Interessiert vermerkte sie, dass sich dessen Wolkenbänder überraschend schnell bewegten. Bis ihr einfiel, dass der Gasriese mit einer so hohen Geschwindigkeit rotierte, das er lediglich 8,3 Stunden für eine volle Drehung benötigte. »Wie lange es wohl dauert, bis auch die zu Staubkörnchen geworden sind.« Joan richtete ihre Aufmerksamkeit auf das Asteroidenfeld und interpretierte Teyras Worte mehr als rhetorisch gemeint, statt als Frage. »Ich frage mich, was schneller zerfallen würde. Ein Asteroid oder meine Knochen.« »Da Knochen organisches Material enthalten und eine poröse Struktur haben, tippe ich auf die Knochen.« Teyra begann sinnierend zu nicken, legte dann den Kopf schief und blickte Joan direkt an. »Wenn ich meine Knochen also archäologisch relevant machen will, muss ich sie wohl verbuddeln.« »Steck sie in einen Kometen.« »Die können wo gegen stoßen. Planeten zum Beispiel. Und ich darf mal daran erinnern, was passiert, wenn sie in die Nähe einer Sonne kommen. Eis schmilzt, Gas entsteht. Kometen haben Hohlräume. Und Gas, das sich erwärmt, hat die leidige Eigenschaft turbulent zu werden.« »Ist doch praktisch. Du steckst die Knochen im Aphel vorne rein und im Perihel kommen sie hinten wieder raus.« »Hinten!« Teyras Augen wurden gespielt größer. »Du kannst richtig nett sein.« Joans Gesicht wurde zu einem Und-Wie-Ausdruck, bis sie merkte, dass Teyras Augen zum Panorama- schirm ruckten. Dort war gerade zu sehen, wie die Mondwelt LUKANA, die bisher von ihrem eigenen Mond verdeckt worden war, in Sicht kam. Deutlich waren Landmassen zu erkennen, die sich über die Ozeane erhoben. Ozeane, die von Gezeitenkräften weit mehr bewegt wurden, als die irdischen. »Villen am Meer gibt es wohl eher nicht.« »Wasserdichte vielleicht.« »Und wie komm....« Der abrupte Wechsel der Beleuchtung von Weißblau auf Gelborange stoppte Joan mitten im Wort. »Dimensionsanomalie detektiert. Richtung Eins Eins Vier zu Null Eins Acht. Distanz dreihundertachtzehn- tausendzweihundert.« Die Erwartung in Joans Augen wich einer zu- nehmenden Besorgnis, wohl wissend, dass die KI von Raumschiffen sich nicht ohne Grund kurzfasste. »Fawn?« Der Expeditionsleiter antwortete nicht, justierte stattdessen den Panoramaschirm auf den betreffenden Bereich, wo nun ein flimmernder Lichtring zu sehen war, dessen Zentrum absolut schwarz blieb. »Für ein natürliches Phänomen ist das viel zu symmetrisch.« Das Raumschiff, das mitten im Schwarz des Rings erschien, der im gleichen Moment auch erlosch, bestätigte Joans Worte. »Design unbekannt, Energiesignatur unbekannt, Antrieb unbekannt.« »Kursvektor analysieren.« »Es gibt keine Datenbasis für eine Berechnung entsprechender Vektoren.« »Ich tippe auf extragalaktisch.« Fawn justierte den Vergrößerungsfaktor, bis das fremde Raumschiff formatfüllend im Panoramaschirm stand. Forschend betrachtete er den spindelförmigen Grundkörper, der in der Mitte eine kugelförmige Verdickung aufwies, deren Licht auf einen Energiekern hinwies. Im Grunde war es ein elegantes Design, wären da nicht die vier schild- förmigen Segmente gewesen, die über turmartige Streben mit dem Zentralkörper verbunden waren und dem Schiff ein bulliges Aussehen gaben. »Sollten wir nicht die SAMOSATA kontaktieren?« »Nein, Alshar.« Fawn wiegte verneinend den Kopf. »Erstens wurde sie vielleicht noch nicht entdeckt und zweitens hätte Arkan sich längst gemeldet, wenn er nicht versteckt bleiben wollte.« »Und was machen wir jetzt?« »Wir übereilen nicht. Wir warten. Wir überlassen es den Fremden eine Kommunikation zu beginnen.« Betont gelassen wirkend lehnte sich Fawn zurück. Und beugte sich gleich wieder vor, als er sah, wie das grünliche Glühen, das von den vier äußeren Segmenten ausging, sich in ein weitaus intensiver strahlendes Rot verwandelte. »Signifikante Erhöhung der Energiesignatur, ich empfehle...« »Paratronschirm. Sofort!« Fawn Onshar erste Silbe genügte der KI der SATA 2 bereits, den Paratronkonverter mit Energie zu beschicken. Doch in das sich aufbauende Paratronfeld hinein stach ein rötlichgelber Strahl ins Schwarz des Weltalls. Der untere Rand des Strahls traf den oberen Rand des Paratronfelds und interagierte dort mit einer Feld- energie, die sich noch in der Stabilisierungsphase befand. Energetische Parameter veränderten sich. Neue Potentiale entstanden und fanden einen Gegenpol im Antriebsfeld. Schlagartig entstand in diesem ein scharf fokussierter Wirkungsvektor. Und ebenso schlagartig katapultierte dieser die SATA 2 aus ihrer Flugrichtung. Ein heftiger Schlag erschütterte die SATA 2. Nicht kompensierbare Fliehkräfte, wie Joan sie noch nie verspürt hatte, sorgten dafür, dass sie ein Schreien nicht unterdrücken konnte. Doch den anderen erging es nicht besser. Acht, neun G zerrten und drückten an jeder Stelle ihrer Körper. Kaum 2 Sekunden später war es allen, selbst Fawn, nichts anderes mehr als übel. Und jeder Versuch Fawns, an die Sensorfelder der Kontrollen zu gelangen scheiterte, angesichts von Armen, die schwerer als Blei zu sein schienen, bereits im Ansatz. »SATA!« Schwer, und mit einer Pause zwischen den Silben, kam ihm der Name der KI über die Lippen. »Aktiv! Stabilisiere Lage und Flugbahn. Sauer- stofflevel optimiert. Empfehle Kreislaufstimulanz.« »Genehmigt!« Diesmal war Fawns Stimme weitaus klarer und vor allem fordernder. Die KI reagierte augenblicklich. Vier Injektionsmodule injizierten absolut synchron ihre Stimulanzien in vier menschliche Körper. Und obwohl es keine Sekunde zwischen Fawns Zustimmung und der Injektion gedauert hatte, erschien es Joan, als hätte sich diese Sekunde zu einer ganzen Minute gedehnt. Als wäre Zeit zu etwas Imaginärem geworden, kreierte ihr Gehirn Vorstellungen darüber, was warum geschehen war, wie man es hätte verhindern können und was man nun tun sollte oder könnte. Und bei einer dieser Vorstellungen entstand ein Gefühl von Gewissheit. So stark, dass sie die nächsten Worte so spontan aussprach, dass sie sie hörte, als ob es nicht ihre Eigenen waren. »Fawn! Die Fremden! Feuern! Wieder! Wieder feuern!« ‘Was rede ich da für einen Mist!‘ Es waren keine Worte, die in ihr diese Aussage formten. Es war vielmehr wie ein ebenso wortlos wie plötzlich vor- handenes Wissen. »SATA! Fluchtkurs! Sofort!« Immer noch war Fawn nicht imstande selbst die Steuerung zu übernehmen. Und wenn wäre er nicht annähernd so effektiv gewesen, wie die KI der SATA 2. »Stabilisierung in drei, zwei, eins. Fluchtkurs ini- tiiert. Antrieb im Notfallmodus. Fixierung empfohlen.« »Genehmigt.« Noch bevor die Kontursitze sich, zusätzlich zu den Sicherungsgurten, derart verformten, dass Fawn, Teyra, Alshar und Joan sich praktisch nicht mehr bewegen konnten, ging ein Ruck durch das Schiff. Und diesmal flog es nicht horizontal, sondern vertikal mit der Oberseite in Flugrichtung. Dem fremden Schiff bot sich dadurch eine Trefferfläche von weniger als 9 Metern Breite und 55 Metern Höhe. Dennoch verfehlte ein weiterer Strahl die SATA 2 um nur einen einzigen kümmerlichen Meter.
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