Lukana Inzident
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»Kaffee, arabisch, entwachst, extra schwarz.«
»Schwierigkeiten, wach zu bleiben?«
Joan
Sheppert
schloss
die
Augen,
griff
blind
nach
der
Tasse
Kaffee
und
drehte
sich,
mit
dem
Kopf
beginnend,
langsam um.
»Erwecke
ich
tatsächlich
diesen
Eindruck?«
Joans
Augen
schienen
beim
letzten
Wort
irgendwie
größer
zu
werden.
»Nein.
Aber
ich
frage
mich,
was
für
einen
Eindruck
ich
gewinne,
wenn
diese
Stimulanz
ihre
Wirkung
entfaltet.«
»Muss
er
denn
besser
werden?
Ich
meine,
noch
besser?«
Ein
dezentes
Schmunzeln
entstand
auf
Arkan
Mandrows
Gesicht.
»Bevor
ich
darauf
antworte,
lasse
ich
Phil
nach
dem nächsten Tryortan Schlund suchen.«
»Oh,
Arkan,
ich
kann
zwar
auch
Rot
werden,
aber
bei weitem nicht so gefährlich.«
»Letzteres
bleibt
abzuwarten.«
Der
Kommandant
der
SAMOSATA
legte
den
Kopf
etwas
zur
Seite.
»Wie
lange,
gedenkst du an Bord zu bleiben?«
»Bin
doch
gerade
erst
eingestiegen.
Erste
Missionen
sind
zwar
meist
arg
von
Routine
geplagt,
aber
wer
weiß, vielleicht kannst du ja noch nachlegen.«
»Routine.«
Ein
hörbares
Einatmen
folgte
dem
Wort.
»Ein Planet im Orbit eines Gasriesen, der um einen
Roten
Riesen
kreist.
Und
dessen
Monde,
vor
einigen
hundert
Millionen
Jahren,
als
diese
Sonne
noch
ein
gelber
Zwerg
war,
Eiswelten
waren.
Und
nun
ist
auf
einem
dieser
Monde
eine
Zivilisation
entstanden,
die
damit
beginnt
am
Weltraum
zu
riechen.
Während
die
ehemals
habitablen
inneren
Welten
buchstäblich
verbrannt
sind.
Damit
nicht
genug,
darf
man
noch
bedenken,
dass
dieser
Leben
tragende
Mond
in
einer
gebundenen Rotation steckt.«
»Die brauchen extra Kaffee.«
Arkan
schaffte
es,
die
eine
Augenbraue
nach
unten
zu
ziehen, während die andere sich nach oben verzog.
»Die
Periode
beträgt
19
Tage
und
14
Stunden.
Das
heißt
117,5
Stunden
hell,
117,5
Stunden
Zwielicht,
117,5
Stunden
dunkel
plus
nochmal
dito
Zwielicht.
Und
diejenigen,
die
auf
der
dem
Gasriesen
zugewandten
Seite leben, haben auch noch extra dunkel.«
»Eher
weniger.
Der
Gasriese
leuchtet
nicht
grad
wenig.«
»Ich
meinte
ja
auch
nicht
die
Dauer,
sondern
die
Qualität.
Ich
darf
da
mal
an
den
Schatten
des
Gasriesen erinnern. Und der ist...«
»So schwarz wie dein Kaffee.«
»Exakt.«
Ein
lehrhaft
bestätigendes
Lächeln
huschte
über Joans Gesicht.
»Wann sind wir eigentlich da?«
»So
bald,
dass
es
sich
lohnt,
dass
wir
uns
jetzt
in
die
Zentrale begeben.«
*
Weit
oberhalb
und
noch
außerhalb
des
Ringsystems
des
Gasriesen
fiel
die
SAMOSATA
aus
dem
Linearraum.
Im
gleichen
Moment
verwandelte
sich
die
obere
domförmige
Hälfte
der
Zentrale
in
eine
derart
perfekte
Panoramasicht,
dass
man
das
Gefühl
hatte
ins
Weltall
hinausgreifen zu können.
»Beeindruckend.«
Joan
ließ
ihren
Blick
über
die
blau
leuchtenden
Ringe
des
Gasriesen
schweifen.
»Da
kam
wohl
mal
ein
Mond
mit
viel
Methaneis
unter
die
Roche-
Grenze.«
»Du
kannst
es
dir
aus
der
Nähe
ansehen.
Wir
verwenden
die
SATA
2
für
eine
erste
Erkundung.
Die
SAMOSATA
bleibt
vorerst
in
Deckung
des
Gasriesen.
Da
sich
LUKANA
ziemlich
genau
auf
der
anderen
Seite
der
Ringe
befindet,
hast
du
das
Vergnügen
das
komplette
Ringsystem überfliegen zu dürfen.«
Joan
blickte
kurz
auf
die
Datenanzeige,
auf
der
zu
lesen
war,
dass
das
Ringsystem
einen
Durchmesser
von
1,2 Millionen Kilometern hatte.
»Ich brauche mehr Kaffee.«
*
Schnurgerade
glitt
die
diskusförmige
SATA
2
aus
dem
Hangar,
passierte
die
gewaltige
Strebe,
die
sich,
als
eine
von
vieren,
vom
externen
Ring
bogenförmig
zum
oberen
Pol
des
kugelförmigen
Hauptkörpers
der
SAMOSATA
zog.
Zusammen
mit
den
vier
Streben
der
unteren
Hälfte
wirkte
es
wie
eine
Art
Einfassung,
die
der
zentralen
Kugel
einen
erhabenen
Eindruck
verlieh.
Ein
Eindruck,
der
vor
dem
Hintergrund
des
Gasriesen
noch
eine
besondere
Note
erhielt.
Zumindest
für
Joan,
die
das
Schiff
nun
zum
ersten
Mal
frei
im
Weltall
schweben
sah.
Gerade
mal
6
Monate
alt,
war
die
SAMOSATA
ein
experimentelles
Einzelstück.
Und
bei
allem,
was
Joan
bisher
erfahren
hatte,
war
sie
ein
wahrer Allrounder.
Abrupt
richtete
sie
ihre
Aufmerksamkeit
auf
die
SATA
2,
die
soeben
abgestoppt
hatte
und
den
Kurs
auf
einen
Mond
ausrichtete,
der
auf
der
gegenüberliegenden
Seite des Ringsystems nur dunkel zu erkennen war.
»Bereit?«
Fawn
Onshar
vergewisserte
sich,
dass
Joan, Teyra und Alshar gesichert in ihren Sitzen saßen.
»Kann
losgehen.«
Alshar
lächelte
aufmunternd,
während
die
anderen
beiden
es
bei
einem
kurzen
Nicken beließen.
»Na
dann.«
Fawn
griff
in
die
Sensorfelder,
aktivierte
den
Antrieb
und
beschleunigte.
Und
das
nicht
wenig.
Die
SATA
2
schoss
förmlich
davon
und
erreichte
rasch
die
Ausläufer
des
Ringsystems.
Kurz
darauf
überquerte
sie
bereits
das
Asteroidenfeld,
das
sich
in
der
größten
Teilung des Ringsystems befand.
Joans
Blick
fiel
auf
den
Gasriesen.
Interessiert
vermerkte
sie,
dass
sich
dessen
Wolkenbänder
überraschend
schnell
bewegten.
Bis
ihr
einfiel,
dass
der
Gasriese
mit
einer
so
hohen
Geschwindigkeit
rotierte,
das
er
lediglich
8,3
Stunden
für
eine
volle
Drehung
benötigte.
»Wie
lange
es
wohl
dauert,
bis
auch
die
zu
Staubkörnchen geworden sind.«
Joan
richtete
ihre
Aufmerksamkeit
auf
das
Asteroidenfeld
und
interpretierte
Teyras
Worte
mehr
als
rhetorisch gemeint, statt als Frage.
»Ich
frage
mich,
was
schneller
zerfallen
würde.
Ein
Asteroid oder meine Knochen.«
»Da
Knochen
organisches
Material
enthalten
und
eine poröse Struktur haben, tippe ich auf die Knochen.«
Teyra
begann
sinnierend
zu
nicken,
legte
dann
den
Kopf
schief
und
blickte
Joan
direkt
an.
»Wenn
ich
meine
Knochen
also
archäologisch
relevant
machen
will,
muss
ich sie wohl verbuddeln.«
»Steck sie in einen Kometen.«
»Die
können
wo
gegen
stoßen.
Planeten
zum
Beispiel.
Und
ich
darf
mal
daran
erinnern,
was
passiert,
wenn
sie
in
die
Nähe
einer
Sonne
kommen.
Eis
schmilzt,
Gas
entsteht.
Kometen
haben
Hohlräume.
Und
Gas,
das
sich
erwärmt,
hat
die
leidige
Eigenschaft
turbulent zu werden.«
»Ist
doch
praktisch.
Du
steckst
die
Knochen
im
Aphel
vorne
rein
und
im
Perihel
kommen
sie
hinten
wieder raus.«
»Hinten!« Teyras Augen wurden gespielt größer.
»Du kannst richtig nett sein.«
Joans
Gesicht
wurde
zu
einem
Und-Wie-Ausdruck,
bis
sie
merkte,
dass
Teyras
Augen
zum
Panorama-
schirm
ruckten.
Dort
war
gerade
zu
sehen,
wie
die
Mondwelt
LUKANA,
die
bisher
von
ihrem
eigenen
Mond
verdeckt
worden
war,
in
Sicht
kam.
Deutlich
waren
Landmassen
zu
erkennen,
die
sich
über
die
Ozeane
erhoben.
Ozeane,
die
von
Gezeitenkräften
weit
mehr
bewegt wurden, als die irdischen.
»Villen am Meer gibt es wohl eher nicht.«
»Wasserdichte vielleicht.«
»Und wie komm....«
Der
abrupte
Wechsel
der
Beleuchtung
von
Weißblau
auf
Gelborange stoppte Joan mitten im Wort.
»Dimensionsanomalie
detektiert.
Richtung
Eins
Eins
Vier
zu
Null
Eins
Acht.
Distanz
dreihundertachtzehn-
tausendzweihundert.«
Die
Erwartung
in
Joans
Augen
wich
einer
zu-
nehmenden
Besorgnis,
wohl
wissend,
dass
die
KI
von
Raumschiffen sich nicht ohne Grund kurzfasste.
»Fawn?«
Der
Expeditionsleiter
antwortete
nicht,
justierte
stattdessen
den
Panoramaschirm
auf
den
betreffenden
Bereich,
wo
nun
ein
flimmernder
Lichtring
zu
sehen
war, dessen Zentrum absolut schwarz blieb.
»Für
ein
natürliches
Phänomen
ist
das
viel
zu
symmetrisch.«
Das
Raumschiff,
das
mitten
im
Schwarz
des
Rings
erschien,
der
im
gleichen
Moment
auch
erlosch,
bestätigte Joans Worte.
»Design
unbekannt,
Energiesignatur
unbekannt,
Antrieb unbekannt.«
»Kursvektor analysieren.«
»Es
gibt
keine
Datenbasis
für
eine
Berechnung
entsprechender Vektoren.«
»Ich
tippe
auf
extragalaktisch.«
Fawn
justierte
den
Vergrößerungsfaktor,
bis
das
fremde
Raumschiff
formatfüllend
im
Panoramaschirm
stand.
Forschend
betrachtete
er
den
spindelförmigen
Grundkörper,
der
in
der
Mitte
eine
kugelförmige
Verdickung
aufwies,
deren
Licht
auf
einen
Energiekern
hinwies.
Im
Grunde
war
es
ein
elegantes
Design,
wären
da
nicht
die
vier
schild-
förmigen
Segmente
gewesen,
die
über
turmartige
Streben
mit
dem
Zentralkörper
verbunden
waren
und
dem Schiff ein bulliges Aussehen gaben.
»Sollten wir nicht die SAMOSATA kontaktieren?«
»Nein,
Alshar.«
Fawn
wiegte
verneinend
den
Kopf.
»Erstens
wurde
sie
vielleicht
noch
nicht
entdeckt
und
zweitens
hätte
Arkan
sich
längst
gemeldet,
wenn
er
nicht versteckt bleiben wollte.«
»Und was machen wir jetzt?«
»Wir
übereilen
nicht.
Wir
warten.
Wir
überlassen
es
den
Fremden
eine
Kommunikation
zu
beginnen.«
Betont
gelassen
wirkend
lehnte
sich
Fawn
zurück.
Und
beugte
sich
gleich
wieder
vor,
als
er
sah,
wie
das
grünliche
Glühen,
das
von
den
vier
äußeren
Segmenten
ausging,
sich
in
ein
weitaus
intensiver
strahlendes
Rot
verwandelte.
»Signifikante
Erhöhung
der
Energiesignatur,
ich
empfehle...«
»Paratronschirm. Sofort!«
Fawn
Onshar
erste
Silbe
genügte
der
KI
der
SATA
2
bereits,
den
Paratronkonverter
mit
Energie
zu
beschicken.
Doch
in
das
sich
aufbauende
Paratronfeld
hinein
stach
ein
rötlichgelber
Strahl
ins
Schwarz
des
Weltalls.
Der
untere
Rand
des
Strahls
traf
den
oberen
Rand
des
Paratronfelds
und
interagierte
dort
mit
einer
Feld-
energie,
die
sich
noch
in
der
Stabilisierungsphase
befand.
Energetische
Parameter
veränderten
sich.
Neue
Potentiale
entstanden
und
fanden
einen
Gegenpol
im
Antriebsfeld.
Schlagartig
entstand
in
diesem
ein
scharf
fokussierter
Wirkungsvektor.
Und
ebenso
schlagartig
katapultierte dieser die SATA 2 aus ihrer Flugrichtung.
Ein
heftiger
Schlag
erschütterte
die
SATA
2.
Nicht
kompensierbare
Fliehkräfte,
wie
Joan
sie
noch
nie
verspürt
hatte,
sorgten
dafür,
dass
sie
ein
Schreien
nicht
unterdrücken
konnte.
Doch
den
anderen
erging
es
nicht
besser.
Acht,
neun
G
zerrten
und
drückten
an
jeder Stelle ihrer Körper.
Kaum
2
Sekunden
später
war
es
allen,
selbst
Fawn,
nichts
anderes
mehr
als
übel.
Und
jeder
Versuch
Fawns,
an
die
Sensorfelder
der
Kontrollen
zu
gelangen
scheiterte,
angesichts
von
Armen,
die
schwerer
als
Blei
zu sein schienen, bereits im Ansatz.
»SATA!«
Schwer,
und
mit
einer
Pause
zwischen
den
Silben, kam ihm der Name der KI über die Lippen.
»Aktiv!
Stabilisiere
Lage
und
Flugbahn.
Sauer-
stofflevel optimiert. Empfehle Kreislaufstimulanz.«
»Genehmigt!«
Diesmal
war
Fawns
Stimme
weitaus
klarer
und
vor
allem
fordernder.
Die
KI
reagierte
augenblicklich.
Vier
Injektionsmodule
injizierten
absolut
synchron
ihre
Stimulanzien
in
vier
menschliche
Körper.
Und
obwohl
es
keine
Sekunde
zwischen
Fawns
Zustimmung
und
der
Injektion
gedauert
hatte,
erschien
es
Joan,
als
hätte
sich
diese
Sekunde
zu
einer
ganzen
Minute gedehnt.
Als
wäre
Zeit
zu
etwas
Imaginärem
geworden,
kreierte
ihr
Gehirn
Vorstellungen
darüber,
was
warum
geschehen
war,
wie
man
es
hätte
verhindern
können
und was man nun tun sollte oder könnte.
Und
bei
einer
dieser
Vorstellungen
entstand
ein
Gefühl
von
Gewissheit.
So
stark,
dass
sie
die
nächsten
Worte
so
spontan
aussprach,
dass
sie
sie
hörte,
als
ob
es nicht ihre Eigenen waren.
»Fawn!
Die
Fremden!
Feuern!
Wieder!
Wieder
feuern!«
‘Was
rede
ich
da
für
einen
Mist!‘
Es
waren
keine
Worte,
die
in
ihr
diese
Aussage
formten.
Es
war
vielmehr
wie
ein
ebenso
wortlos
wie
plötzlich
vor-
handenes Wissen.
»SATA!
Fluchtkurs!
Sofort!«
Immer
noch
war
Fawn
nicht
imstande
selbst
die
Steuerung
zu
übernehmen.
Und
wenn
wäre
er
nicht
annähernd
so
effektiv
gewesen, wie die KI der SATA 2.
»Stabilisierung
in
drei,
zwei,
eins.
Fluchtkurs
ini-
tiiert. Antrieb im Notfallmodus. Fixierung empfohlen.«
»Genehmigt.«
Noch
bevor
die
Kontursitze
sich,
zusätzlich
zu
den
Sicherungsgurten,
derart
verformten,
dass
Fawn,
Teyra,
Alshar
und
Joan
sich
praktisch
nicht
mehr
bewegen
konnten,
ging
ein
Ruck
durch
das
Schiff.
Und
diesmal
flog
es
nicht
horizontal,
sondern
vertikal
mit
der
Oberseite
in
Flugrichtung.
Dem
fremden
Schiff
bot
sich
dadurch
eine
Trefferfläche
von
weniger
als
9
Metern
Breite
und
55
Metern
Höhe.
Dennoch
verfehlte
ein
weiterer
Strahl
die
SATA
2
um
nur
einen
einzigen
kümmerlichen Meter.
Lukana Inzident
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