Conviction
Seite 1 von 4
Lesen lässt uns in Gedanken leben….
Datenschutzerklärung:
Bei
jprohlin.de
handelt
es
sich
um
ein
rein
informatives
Online Angebot ohne kommerzielle Funktionen.
Alle
hier
veröffentlichten
Publikationen
enthalten
persönliche
Meinungen
des
Autors.
In
Fällen,
in
denen
externe
Informationen
eingebunden
werden,
werden
entsprechende
Quellenangaben
hinzugefügt.
Links
zu
anderen
Internetangeboten
oder
automatische
Weiterleitungen
sind
nicht implementiert.
DSGVO relevante Cookies sind nicht implementiert.
Mit
millionenfacher
Lichtgeschwindigkeit
glitt
die
SAMOSATA
durch
den
Linearraum.
Mit
jedem
Wimpernschlag,
der
über
Arkan
Mandrows
Augen
zuckte,
überwand
das
Schiff
eine
Distanz,
die
dem
Durchmesser
eines
kleineren
Sonnensystems
entsprach.
Die
Augen
des
Kommandanten
der
SAMOSATA
glitten
zu
einer
Datenanzeige.
57
Lichtjahre
bis
zum
Ziel.
Kaum
mehr
als
12
Minuten.
Zu
viel
Zeit,
für
stumpfes
Warten.
Zu
wenig,
für
genüssliche
Ablenkung,
in Form kulinarischer Aktivität.
Kurz
zuckte
sein
Blick
nach
oben,
bevor
seine
Beine
erneut
damit
begannen,
ihn
durch
die
Zentrale
zu
bewegen.
Und
kurz
bevor
er
auf
dem
Weg
war,
den
Eingang
zu
queren,
kam
eine
Gestalt
ins
Bild,
die
zögerlich den Raum betrat.
»Zhanir.«
Arkan
fügte
dem
Namen
ein
grüßendes
Nicken hinzu.
Mitten
in
der
Bewegung
kam
der
Angesprochene
zum
Stehen.
»Komme ich ungelegen?«
»Nein.«
Arkan
schüttelte
den
Kopf.
»Absolut
nicht.
Und
falls du Fragen hast.«
»Fragen? Nein. Eher Neugier. Rein visueller Natur.«
Arkans Kopf wies fragend in Richtung Panoramaschirm.
»Exakt.«
»Dein erstes Mal?«
»Man
mag
es
nicht
glauben.«
Zhanir
begann
verschmitzt
zu
lächeln.
»Aber
ich
bin
tatsächlich,
das
erste
Mal
in
meinem
Leben,
schneller,
als
die
Fragen
meiner Frau.«
Noch
während
Arkan
darüber
grübelte,
ob
er
dem
Vergleich
irgendetwas
Passendes
abgewinnen
konnte,
deutete der Xenosoziologe auf den Schirm.
»Was genau, sehe ich da?«
»Die
roten
Schlieren
sind
eine
Interpretation
energetischer
Signaturen.
Die
hellen
Streifen
sind,
ebenfalls
grafisch
generiert,
Sterne,
die
wir,
im
Abstand
weniger Lichtjahre, passieren.«
»Und das im Zentrum ist unser Ziel?«
»Apok.«
Arkan
fügte
ein
mehrfaches
Nicken
hinzu.
»Ein
kleiner G-Klasse Stern.«
»Apok?«
»Abgeleitet
vom
griechischen
Wort
Apokryph,
dessen
Bedeutung
man
mit
Verborgen
definieren
kann.«
»Dann passt es ja.«
»Apok
liegt
innerhalb
des
Lanthan
Nebels
der
wiederum
teilweise
in
den
Markonta
Nebel
hineinragt.
Das
Gebiet
ist
hyperphysikalisch
aktiv.
Dennoch
gibt
es
dort eine bewohnte Welt.«
»Weswegen ich an Bord bin.«
»Richtig.
Denn
unsere
Daten
zur
dortigen
Spezies
sind
150 Jahre alt.«
»Sie
ist
als
planetengebunden
eingestuft.«
Der
Ausdruck
von
Zhanirs
Augen
wechselte
zwischen
Neugier
und
Besorgnis
darüber,
dass
ein
planetengebundener
Status
eine
direkte
Kontaktaufnahme untersagen würde.
»Etwas,
was
sich
heute
möglicherweise
ändern
wird.
Schließlich
deuten
die
Strukturerschütterungen,
die
von
dort
kommen,
auf
den
Einsatz
von
Transitions-
triebwerken hin.«
Gleichzeitig
richteten
sich
die
Augen
der
beiden
auf
den
Panoramaschirm.
Denn
dort
begann
das
Abbild
der
Sonne nun deutlich größer zu werden.
»Was
interstellares
Potential
bedeutet
und
eine
direkte Kontaktaufnahme erlaubt.«
»Das
ist
leider
nicht
sicher.
Natürliche
Phänomene,
als
Ursache
der
Strukturerschütterungen
sind
zwar
eher
unwahrscheinlich.«
Arkan
wiegte
dezent
den
Kopf.
»Allerdings
besteht
auch
die
Möglichkeit,
dass
eine
andere Spezies im Nebel agiert.«
»Weshalb wir dann wohl vorsichtig sein werden.«
»Richtig
und
deshalb...«
Ein
Aufflackern
des
Panoramaschirms
tauchte
die
Zentrale
in
helles
Licht.
»...
sind
wir
jetzt
hier...«
Arkan
nickte
in
Richtung
des
Gasriesen,
der
die
linke
Hälfte
des
Panoramaschirms
ausfüllte. »... und nicht näher an ihrer Heimatwelt.«
Ohne
es
bewusst
zu
merken,
machte
Zhanir
einige
Schritte
auf
den
Panoramaschirm
zu.
In
überwiegend
hellen
roten
und
gelben
Farben
präsentierte
sich
hier
der
Markonta-Nebel.
Auch
der
Gasriese
glänzte
mit
einer
Abwechslung
zwischen
roten
und
weißen
Bändern
und
einem
silbrig
schimmernden,
kaum
wahrnehmbaren
Ringsystem.
Und
genau
zwischen
dem
Planeten
und
dem
inneren
Rand
der
Ringe
brachte
die
Sonne
Apok
die
Gasschwaden
in
ihrer
Umgebung
zu
einem gelbgoldenen Leuchten.
»Der
Traum
eines
jeden
Malers.
Monochrom
war
gestern.«
Arkan
begann
zu
lächeln.
»Ja,
auffallend
wenig
Schwarz. Ist man gar nicht gewohnt.«
»Eigentlich
ist
der
Weltraum
gar
nicht
so
schwarz,
wie wir ihn sehen.«
»Dass
wir
nicht
mehr
sehen,
liegt
allein
daran,
dass
unsere Netzhaut uns vor dem Unwesentlichen schützt.«
»Vielleicht
sollten
wir
uns
bei
der
Evolution
dafür
bedanken,
dass
wir
nur
einen
Bruchteil
dessen
sehen,
was
wirklich
ist.
Und
sie
gleichzeitig
fragen,
warum
sie
uns nicht mehr gönnt.«
Arkan
sog
hörbar
Luft
ein,
verzog
den
Mundwinkel
und richtete seine volle Aufmerksamkeit auf Zhanir.
»Werden wir jetzt philosophisch?«
Gleich
darauf
bereute
Arkan
seine
Frage,
denn
in
den
Augen
Zhanirs
eruptierte
etwas,
was
man
nur
noch
als Begeisterungsschub interpretieren konnte.
»Die
Evolution
hat
das
Leben
erschaffen
und
entwickelt
es
weiter,
hin
zu
immer
höheren
Formen,
bis
etwas
entsteht,
das
wir
als
Superintelligenzen
bezeichnen.«
Kaum
gesagt,
schienen
Zhanirs
Augen
zusätzlich
noch aufzuleuchten.
»Und
das
Kuriose
ist,
dass,
wenn
man
die
Definition
des
Wortes
Leben
genau
nimmt,
Superintelligenzen
nicht lebendig sind!«
Ein tiefes Seufzen brummte durch Arkans Wangen.
»Könnten
wir
uns
darauf
einigen,
beim
Begriff
Leben,
zwischen
organischem,
nicht
organischem,
energetischen
und
rein
geistigem
Leben
zu
unterscheiden?«
»Existenz?«
Zhanir
begann
dezent
zu
schmunzeln.
Während
die
SAMOSATA
damit
begann,
sich
in
Bewegung
zu
setzen
und
dabei
einen
Kurs
wählte,
der
zwischen
dem
inneren
Ringrand
und
dem
Gasriesen
hindurchführte.
»Das
hier...«
Arkan
klopfte
auf
die
Konsole
an
der
Lehne des Kommandositzes. »...existiert ebenfalls.«
»Wie wäre es mit kognitiver Existenz?«
»Ja.«
Arkan
legte
die
Hände
zusammen
und
nahm
sie
vor den Bauch. »Das wäre dann wohl allgemeingültig.«
»Aber nicht allumfassend.«
’Himmel!‘
Arkan
dachte
das
Wort
nur.
Und
dennoch
schien Zhanir es zu hören.
»Denn,
wenn
man
auf
die
Ebene
von
Prokaryoten
geht,
stellt
sich
die
Frage,
ob
etwas,
bei
dem
kognitive
Existenz
nicht
nennenswert
ist,
lebendig
sein
kann.
Man
könnte
das
nun
so
sehen,
dass
Leben
nicht
zwangsläufig
mit
kognitiver
Existenz
verbunden
ist,
dass
aber
kognitive
Existenz
nicht
unbedingt
organisch
sein muss.«
»Und
was
sind
dann
wir?«
Wie
von
selbst
wanderten
Arkans Hände auf dessen Rücken.
»Ein
Mittelding,
das
nach
der
Form
von
Existenz
sucht,
nach
der
es
nicht
suchen
müsste,
wenn
es
über
die
kognitive
Existenz
verfügen
würde,
nach
der
es
sucht.«
»Habe
ich
erwähnt,
dass
es
im
Nebel
ziemlich
viel
Strahlung gibt?«
»Ja,
hast
du.
Weshalb
diese
Art
von
Nebel
auch
relativ
steri...«
Zhanir
unterbrach
sich
mitten
im
Wort
und richtete einen imaginären Blick zur Decke.
»SATA,
eine
Darstellung
der
Physiologie
der
Phytari
bitte.«
Augenblicklich
projizierte
der
Schiffscomputer
ein
Hologramm
der
Spezies,
deren
Heimatwelt
die
Sonne
Apok
umkreiste.
Mit
1,6
Metern
lebensgroß,
stand
nun
eine
insektoide
Gestalt
in
der
Zentrale.
Deutlich
war
noch
das
zurückentwickelte
mittlere
Beinpaar
einer
ehemals
weit
ausgeprägteren
Hexapoden
Form
erkennbar.
Der
Kopf
war
entfernt
libellenartig,
zeigte
aber
eine
deutliche
Erhöhung.
Faszinierend
war
hingegen
das
blauviolette
Farbspiel
des
chitinartigen
Exoskeletts.
»Es
gibt
zwei
Möglichkeiten
dafür,
dass
sich
auf
einem
Planeten
innerhalb
eines
Nebels
mit
derartigem
Strahlungsspektrum
organisches
Leben
entwickeln
kann.
Zum
einen
wäre
das
eine
überaus
dichte
Atmosphäre.
Zum
anderen
eine
spezifische
organische
Anpassung.«
Zhanir deute auf das Exoskelett des Phytari.
»Oberflächlich
betrachtet,
sieht
es
aus
wie
gewöhnliches
Chitin.
Tatsächlich
ist
es
jedoch
wesentlich
weicher,
vergleichbar
mit
einem
etwas
festeren
Fingernagel.
Dadurch
entsteht
eine
Flexibilität,
die
die
Grundlage
ist,
für
etwas,
was
man
als
doppelwandige
Chitinhülle
bezeichnen
kann.
Das
Besondere
an
dieser
Konstruktion
ist
das,
was
sich
zwischen der inneren und äußeren Hülle befindet.«
Zhanir
ließ
seinen
Blick
über
die
insektoide
Gestalt
schweifen und blickte dann zu Arkan.
»Hydrophiles
Gewebe,
das
eine
erhebliche
Menge
Wasser
speichert.
Aber
das
außergewöhnlichste
ist,
dass
dieses
Gewebe
aus
Zellen
besteht,
die
wir
als
Krebszellen
bezeichnen
würden.
Wobei
jedoch
nur
die
innen
liegende
Zellschicht
über
einen
funktionsfähigen
Zellkern
verfügt.
Das
Gewebe
ist
de
facto
unsterblich.
Und
eine
Mitose
findet
nur
statt,
wenn
es
externem
Sauerstoff
ausgesetzt
wird,
was
nur
bei
Verletzungen
der Fall ist.«
»Also
ein
Krebs,
der
nur
wuchert,
um
zu
heilen?«
Arkans
Stimme
klang
ebenso
gelangweilt,
wie
interessiert.
»Ja,
in
etwa
so
könnte
man
es
definieren.
Nur
das
diese,
sagen
wir
krebsartigen,
Zellen
keine
Anomalie
sind,
sondern
gezielt
von
der
Evolution
entwickelt
wurden,
um
eine
Funktion
zu
erfüllen,
die
es
ermöglicht,
dass
normale
Zellen,
vor
der
Strahlung
geschützt sind.«
»So, als wären sie unter Wasser.«
»Korrekt. Tatsächlich sind die Phytari amphibisch.«
»Sie können also unter Wasser atmen.«
»Atmen,
Schwimmen,
Essen.
Zudem
sind
sie
4
bis
5
Mal
so
stark
wie
ein
Mensch
und
können
in
unserer
Umgebung
problemlos
existieren,
während
wir
ihre
Welt
nicht
betreten
sollten.
Jedenfalls
nicht
ohne
Schutz.
Wobei
ein
leichtes
Strahlenschutzfeld
bereits
genügen
würde.«
Arkan
warf
einen
Blick
auf
den
rückwärtigen
Panoramaschirm,
wo
der,
langsam
kleiner
werdende,
Gasriese
zu
sehen
war.
Und
anschließend
auf
die
Geschwindigkeitsanzeige.
»10
Stunden,
bis
wir
Phyla
erreichen.
Zeit
für
eine
Pause.«
Arkan
kniff
kurz
die
Augen
zusammen
und
reckte
sich,
wie
jemand
der
gerade
beginnt,
an
Schlaf
zu denken.
»Jetzt?«
Zhanir
hob
andeutungsweise
eine
Augenbraue.
»Wir
fliegen
mit
Ortungsschutz.
Das
Einzige,
was
man
von
uns
sieht,
ist
das
Verwirbeln
von
Gaspartikeln.«
Wie
in
Zeitlupe
drehte
sich
Arkan
in
Richtung des Ausgangs.
»Bis
man
das
entdeckt,
analysiert
und
interpretiert
hat, sind wir angekommen.«
*
»Was
ist
das?«
Ohne
sich
zu
Arkan,
der
gerade
in
die
Zentrale
kam,
umzudrehen,
deutete
Zhanir
auf
den
Panoramaschirm.
»Geht es etwas genauer?«
»Dieses Flimmern.«
»Das
stammt
von
ionisierten
Gaspartikel,
die
mit
unseren
Energieschirmen
interagieren.
Der
Markonta
Nebel ist voll davon.«
»Ich
habe
so
etwas
noch
nie
gesehen.«
Immer
noch
blickte
Zhanir
geradeaus.
Auch
das
Blinzeln
der
Wimpern
schien
sich
um
den
Faktor
zehn
reduziert
zu
haben.
»Diese
Farben.
Diese
Strukturen,
ohne
jede
Konstanz.
Eine
Sonne,
die
wie
aus
einem
Nebel
heraus
scheint.
Gut,
wir
sind...,
sie
ist,
in
einem
Nebel.
Und
dennoch
wirkt
es
irgendwie
anders,
als
man
denkt,
dass es sein sollte.«
Arkan
erlaubte
sich
ein
stilles
Schmunzeln,
während
er sich rechts von Zhanir positionierte.
»Was
ist
schon
ganz
genau
so,
wie
es
sein
soll?
Ja,
sicher,
unsere
Technik.
Die
Naturgesetze.
Physikalische
Wirkungsprinzipien.
Aber
alles,
was
interagiert,
hat
die
Freiheit
ein,
wie
auch
immer
Erwartetes,
Genau,
zu
verlassen,
um
maximal
ungenau
zu
werden.«
Für
einige
Sekunden erlaubte sich Arkan ein stilles Sinnieren.
»Und,
genau
betrachtet,
ist
genau
das,
die
Basis
für
Vielfalt.«
Für
eine
gefühlt
unnatürlich
lang
gedehnte
Zeit
standen
beide
schweigend
nebeneinander,
während
die
SAMOSATA
an
der
Sonne
vorbeizog,
die
die
Backbordseite
des
Schiffes
in
ihr
gelblich
verfärbtes
Licht tauchte.
»Bist
du
besorgt?«
Schließlich
wandte
Zhanir
den
Kopf und sah Arkan direkt an.
»Warum sollte ich?«
»Nun
ja,
wir
sind
auf
dem
Weg
zu
einem
Erstkontakt.
Und
haben
keine
Informationen
darüber,
wie
die
indigene Spezies auf einen solchen reagieren wird.«
»Die
hat
man
selten.«
Arkans
Blick
zuckte
zu
einer
der
Sensoroptiken
des
Schiffscomputers.
»SATA,
eine
Außendarstellung des Anflugs, bitte.«
Sofort
wechselte
das
Bild
auf
dem
Panoramaschirm
und
zeigte
nun
ein
vergrößertes
Abbild
der
SAMOSATA,
wie
sie,
an
der
Sonne
vorbei,
in
Richtung
des
zweiten
Planeten
des
Systems
flog.
Jetzt
erst
war
zu
sehen,
durch
was
für
ein
Meer
aus
Farben
sich
das
Schiff
bewegte.
Um
es
herum
und
hinter
ihm
überwog
ein
helles
Rot
und
Gelb,
während
vor
ihm
ein
dunkleres
Rot
und
bläuliche
Grautöne
warteten.
Genau
hier
war
ein
Teil
der
Übergangszone
zwischen
Lanthan
und
Markonta
Nebel,
ohne
das
man,
rein
optisch,
hätte
sagen
können,
welche
Gase
und
Farben
zu
welchem
der
beiden
Nebel
gehörten.
Conviction
Seite 1 von 4